Junge Menschen verdienen eine Regierung, die für sie kämpft.
Einen neuen Umgang mit Kompromissen finden möchte Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang, damit es besser gelingt, Brücken zu bauen, denn „Sprengmeister haben wir schon genug.“ Klarheit, Offenheit, Mut, eine Portion Humor und gute Laune sind die Mittel, mit denen die Grüne aus dem Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd Politik machen möchte: „Wir konzentrieren uns darauf, wo möglich Bündnisse einzugehen und wo nötig Konflikte auszutragen. Das übergeordnete Ziel in Europa sei dabei eindeutig „die Freiheit der Vielen zu verteidigen – die Hoffnung für dieses Ziel aufzugeben, lehne ich ab“.
Auf Einladung der Heilbronner Landtagsabgeordneten Gudula Achterberg war Ricarda Lang zu einer Diskussionsveranstaltung mit Jungen und jung Gebliebenen in die Zigarre gekommen. In einem temporeichen Ritt durch unterschiedlichste Themen bewies die Politikerin breite Sachkenntnis in der Welt-, Bundes- und auch Landespolitik. Herausgestellt hat sie, wo Deutschland aus der baden-württembergischen Landespolitik lernen kann. Nicht nur, dass das Land das Sondervermögen ohne Vorgaben direkt an die Kommunen weitergibt, sei vorbildlich. Auch Winfried Kretschmanns Mahnung, dass die Politik dem Land und den Menschen wieder mehr zutrauen muss, teilte sie und sah mit der Politik des Gehörtwerdens Baden Württemberg auf einem guten Weg. Es gehe schließlich darum, Politik zu machen für die Menschen im Land – und nicht nur für die, die einen gewählt hätten. Mit den Menschen im Wahlkreis zu sprechen, zeige auch ihr immer wieder, dass die Welt nicht nur aus Social Media-Kontroversen und Hass-Debatten bestehe, sondern dass die Menschen Verantwortung übernähmen und respektvoll und fürsorglich miteinander umgingen.
Im Bund stellte sie Mängel fest, etwa wenn in Gremien wie im Expertenrat für Klimafragen die Generation der unter 20-Jährigen nicht einmal vertreten ist. „Junge Menschen verdienen eine Regierung, die für sie kämpft“, fand Lang. Wo das derzeit nicht geschehe, sei im Bundeswirtschaftsministerium, das mit dem so genannten Netzpaket Lobbypolitik betreibe, statt konsequent auf Sonne und Wind zu setzen. Klimapolitik, für die sich viele der Gäste interessierten, ist für Lang ein Gleichheitsproblem, das man mit der Verantwortung für den fossilen Fußabdruck auf Individuen abgeschoben habe. Solange fossile Konzerne riesige Profite aus Umweltzerstörung zögen, hält sie für nicht statthaft, Einzelne dafür verantwortlich zu machen. Auch in der Wohnungspolitik sah sie die Belange junger Menschen nicht berücksichtigt. Sie unterlegte mit Beispielen, dass Chancengleichheit, etwa für Auszubildende, die bezahlbare Wohnungen brauchen, nicht mehr gegeben sei und forderte: “Wir müssen mehr bauen – aber das Richtige“.
Das Thema Wehrpflicht beschäftigte viele Teilnehmende der Veranstaltung. Lang stellte klar, dass Deutschland diese Debatte aus guten Gründen führe und wieder verteidigungsfähig werden müsse. Niemand wolle das Recht zur Verweigerung abschaffen. Lang plädierte dafür, schnell ein Recht auf Freiwilligendienste zu schaffen. Auch Steuerungerechtigkeiten treiben junge Menschen um. Lang möchte zuerst Ausnahmetatbestände im Steuerrecht durchforsten, große Vermögen und riesige Erbschaften neu besteuern und Einsparungen, die sich erzielen lassen, in Bildung investieren. Als ernsthafte, aber auch humorvolle Gesprächspartnerin dankte Gudula Achterberg Ricarda Lang für deren Besuch, die sich noch Zeit für Einzelgespräche und Fotos nahm, bevor sie weitereilte zum nächsten Termin.