Landwirtschaft geht alle an – MdL Martina Braun zu Gast bei MdL Gudula Achterberg
Heilbronn: „Landwirtschaft geht alle an, denn alle müssen essen und trinken!“ So bestechend einfach sagt die Landtagsabgeordnete Martina Braun, warum sich die Menschen, gerade auch aus Verbraucher-Sicht, für die Landwirtschaft und ihre Produkte interessieren sollten. Warum dies nicht unbedingt funktioniert und an welchen Stellen das Thema Landwirtschaft komplex und auch kontrovers wird – damit befasste sich die Diskussionsrunde, zu der die Heilbronner Abgeordnete der Grünen, Gudula Achterberg, jetzt eingeladen hatte.
Als Expertin hatte Achterberg ihre Landtagskollegin Martina Braun (Wahlkreis Villingen-Schwenningen) gewonnen. Im Mehrgenerationenhaus stellte sich die Biobäuerin den Fragen der Gäste. Mit 45 Jahren Berufserfahrung auf einem Bioland-Hof im Schwarzwald und Pionierin der Erzeugergenossenschaft Schwarzwaldmilch, als Mitglied eines familiengeführten Grünland- und Viehhaltungsbetriebs und leidenschaftliche ehemalige Schafherdenbesitzerin kennt Braun die Sorgen der Bauernschaft. In der Grünen Landtagsfraktion ist sie eine von drei Landwirt*innen und hat seit 2016 wichtige Prozesse begleitet. Zum Beispiel die Umsetzung des Biodiversitätsstärkungsgesetzes, das zum Ziel hat, bis 2030 30 bis 40 Prozent der Flächen ökologisch zu bewirtschaften. „Unerreichbar“, sagen die einen. „Ein ehrgeiziges Ziel“, sagt Braun, und räumt ein: „wir sind gerade erst bei 14 Prozent.“ Sie sagt aber auch: „Landwirte sind nicht nur Verursacher von CO2-Emissionen, sie sind auch Klimaschützer und hehre Ziele geben den Weg vor.“ Neben der ersten Fördersäule für die Landwirtschaft, die EU-Flächenprämien, nennt sie die Vorzüge der zweiten Säule: Im Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) gebe es viele gute Projekte, angepasst an die vielfältigen Bedarfe der Betriebe. Die Vielfalt von Vorschriften, etwa bei Pflanzenschutz, macht den landwirtschaftlichen Betrieben Probleme, die Martina Braun im Detail kennt. Ein Ziel ist es, den Pflanzenschutzmitteleinsatz bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren. Braun setzt hier auch ein Stück weit auf neue technische Möglichkeiten, die helfen können, den Pflanzenschutzeinsatz zu senken. Auf Freiflächen-Photovoltaik angesprochen, erklärt sie klar, dass sie nicht viel davon halte, solange noch auf vielen Dächern Potential für PV-Anlagen vorhanden ist.
Grundsätzlich wird die Diskussion, als es um die Marktmacht des Einzelhandels, insbesondere der großen Discounter, geht, welche die Preise bestimmen. „Dagegen gibt es kein scharfes Schwert“, so Braun, „das ist freie Marktwirtschaft.“ Immerhin saß beim Strategiedialog Landwirtschaft, den die Landesregierung 2022 aus der Taufe hob, auch der Handel mit am Tisch. Eine gemeinsame Marktordnung, so hält es Braun für möglich, könne die Erzeuger stärken – in Form einer Garantie, dass, was Einkäufer bestellen, auch abgenommen werden müsse. Faire Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse erreiche man nicht durch EU-Fördergeld. Es braucht Übereinkünfte und das Bewusstsein, dass Nahrungsmittel einen anderen Stellenwert haben als andere Handelswaren. Bildung tue Not, ganz praktisch mit Unterrichtseinheiten auf den Höfen, damit Kinder wieder wüssten, wo das Essen herkomme. Und der Dialog, ergänzte Gudula Achterberg, sei der Schüssel, wie man die Menschen erreiche, um das Bewusstsein der Verbraucher zu schärfen. Gezeigt hätten das ausgerechnet auch die Begegnungen während der Bauernproteste im vergangenen Jahr: „Mit Konfrontation haben wir nichts erreicht, immer nur im Gespräch miteinander“, stimmt Martina Braun zu.
Hier finden Sie den L-TV Beitrag zur Veranstaltung. Beginn ab Minute 6:40 Min.
https://www.l-tv.de/magazine/3/DIE_NEWS/1832/DIE_NEWS_08_04_2025.html