MdL Gudula Achterberg lud ein zur Online-Diskussion
„Cannabis legal. Und jetzt?“
Aufklärung und Prävention ist Pflicht
Wer Cannabislegalisierung als Aufregerthema aufbereitet sehen wollte, kam in der Online-Diskussionsrunde, zu der die Heilbronner Landtagsabgeordnete Gudula Achterberg jetzt eingeladen hatte, nicht auf seine Kosten. Rund 30 Gäste verfolgten das fundierte Abwägen von Fakten, das in der politischen Auseinandersetzung oft zu kurz kommt, in knapp eineinhalb Stunden lebhafter Diskussion. Für die Grüne Landtagsfraktion war deren Sprecher für Gesundheitswirtschaft, MdL Norbert Knopf, Gudula Achterbergs Gast. Die medizinische Sicht lieferte Dr. Mathias Luderer, Leiter des Bereichs Suchtmedizin am Uniklinikum Frankfurt und in mehreren weiteren Funktionen ausgewiesener Experte in allen Fragen rund um das Thema Sucht.
Eineinhalb Jahre ist Cannabis inzwischen legalisiert und auch in Heilbronn und Umgebung gibt es die ersten Clubs, deren Mitglieder nicht-kommerziell angebautes Cannabis nutzen dürfen. Den legalen Anbau zu fördern, war eines der Ziele der neuen Gesetzgebung – aber: „Es gibt noch zu wenige Clubs, die formalen Hürden sind zu hoch“, befand der gelernte Chemiker und Sozialpädagoge Norbert Knopf. Mit gerade einmal 30 genehmigten Anbau-Vereinen sei es noch nicht möglich, den Schwarzmarkt und seine Begleiterscheinungen zu tilgen. „300 bis 400 Clubs wären dazu allein in Baden-Württemberg nötig.“ Dann könnte auch bessere Prävention stattfinden, so die Grundidee der Clubs. An weiteren legalen Bezugsquellen fehle es dazu überdies.
Den dringenden Bedarf an mehr und besserer Prävention sah auch Suchtmediziner Luderer, der konstatierte: Seit Jahrzehnten steige der Cannabis-Konsum ungebrochen weiter und damit die durch Suchtfolgen verursachten Kosten. Diese Folgen seien mannigfaltig und mündeten – je jünger die Konsumenten seinen, desto häufiger – unter anderem in chronische psychische Krankheiten. Sorgen mache ihm, dass der Konsum von so genanntem Medizinal-Cannabis geradezu explodiert sei, erklärte Luderer: Als Lifestyle-Produkte ungeniert entgegen dem Heilmittelwerbeverbot angepriesen, werde Cannabis immer schneller und billiger verkauft. Andere Firmen setzten auf synthetische Cannabinoide, was das Gesetz doch verhindern wollte. Etwa als Beimischung in E-Zigaretten gelangten diese durch den Vertrieb über Automaten auch an Jugendliche. Luderer: „Prävention tut dringend Not – und dennoch werden die Mittel für die Suchthilfe gekürzt“. Eine Erklärung kam von Knopf: An Suchtberatung als Freiwilligkeitsleistung sparten die Kommunen in Zeiten klammer Kassen. Da hätten sich die Gesundheitspolitiker nicht durchsetzen können.
Knopf widersprach Luderer nicht, ordnete aber ein: „Wir haben ein Vollzugsproblem. Am Weitermachen wie bisher sind wir gescheitert. Jetzt versuchen wir den Cannabiskonsum mit regulatorischer Politik zu lösen.“ Bei allen Suchtmitteln sei Prävention generell ein Problem. Deshalb fordert er: „Wir brauchen die Pflicht zur Suchtberatung an Schulen“. Das Thema betreffe Politik, Gesellschaft und Wissenschaft gleichermaßen. Knopf gab Luderer Recht: Auch, weil Cannabis jetzt leichter zu haben sei und das Risiko für mehr Erstkonsum steige, brauche es dringender denn je bessere Prävention. Gelungen sei es, mit der Legalisierung die überproportionale Kriminalisierung von Cannabis gegenüber anderen Suchtmitteln zu relativieren.
Viele tiefgehende Informationen hatte die Diskussionsrunde zu verarbeiten. Neu war vielen Teilnehmer*innen, wie geschickt der Handel die Grauzone des Vertriebs von Medizinal-Cannabis nutzt. „Nach allen diskutierten Aspekten bleibt eine zentrale Frage: was können und müssen wir im Land für eine bessere Suchtprävention tun?“, griff Achterberg eine wesentliche Erkenntnis auf.